Image Credit: Unsplash, Didier Weemaels
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Das Gejammere über die Bargeld-Obergrenze nervt

Warum mir die Beschwerden über die 5000€-Obergrenze manchmal beinahe schizophren erscheinen.

Dieser Text richtet sich vor allem an diejenigen, denen Überwachung bisher immer egal war und nun aufgrund der Bargeld-Obergrenze laut “Überwachung und Verlust von Kontrolle und Freiheit” rufen.

Wie inzwischen wahrscheinlich beinahe alle von uns wissen, plant die Deutsche Bundesregierung für Barzahlungen eine Obergrenze von € 5000,- einzuführen. Es sei jetzt mal dahingestellt, ob diese Grenze sinnlos ist oder nicht und ich plane nicht, dies in diesem Text zu diskutieren. Mich nervt das beinahe schon schizophren anmutende Gejammere deswegen und möchte darüber ein paar Worte loswerden.

Bis ca. Anfang 2015 habe ich Bargeldzahlungen ganz klar elektronischen Zahlwegen vorgezogen. Natürlich wurde ich auch nach dem Grund gefragt und ich habe vor allem Datenschutz und die daraus resultierende Freiheit als Argument gebracht. Jedes Mal wurde ich belächelt, manchmal sogar als paranoid bezeichnet und vor allem musste ich mir Standardsprüche wie die folgenden anhören.

Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.

Oder diesen hier:

Heutzutage wird doch eh alles überwacht. Warum findest du dich nicht einfach damit ab?

Jemand wurde dabei sogar aggressiv und schrie mich schon fast an, dass Freiheit doch nichts mit Überwachung zu tun habe und ganz andere Dinge dabei wichtig wären. Ich fragte damals nicht nach diesen Gründen sondern resignierte, da die Überwachung allen, und damit meine ich auch wirklich alle, denen ich davon erzählt habe, einfach komplett egal war. Niemand war bereit auch nur einen Finger zu rühren um sein Leben etwas von der Überwachung zu befreien.

Überwachung kann also kaum der Grund sein, dass sich nun alle über diese Obergrenze beschweren. Es geht wohl eher mehr darum, dass den Menschen etwas weggenommen wird. Wie dem Kind sein Spielzeug. Und was macht das Kind, wenn man ihm etwas weg nimmt? Genau. Es schreit. Und so scheint es hier ebenfalls zu sein.

Seien wir Ehrlich: Kaum einer wird heutzutage noch Bargeld von mehr als € 5000,- benötigen. Wie viele Leute bezahlen noch ernsthaft regelmäßig solche Beträge in Bar? Ich jedenfalls nicht und der typische Otto-Normal-Verbraucher wohl eher auch nicht. Ich vermeide es mit Barbeträgen in diesen Summen in der Tasche herumzulaufen.

Früher wurde ich aufgrund dessen, dass ich auf den Datenschutz geachtet habe, als paranoid bezeichnet bis ich resignierte. Genau dieselben Leute schreien jetzt bei der drohenden Bargeld-Obergrenze von Überwachung.

Wenn ich damals paranoid war, dann seit ihr jetzt wohl schizophren.

3 Gedanken zu „Das Gejammere über die Bargeld-Obergrenze nervt“

  1. Was ist das für eine einstellung?
    Ich versteh dass du sauer bist, weil man dir gesagt hat du wärst verrückt, nur dass sie dann plötzlich auch deine meinung haben.
    Ist es aber nicht eine gute Sache wenn sie plötzlich ihre eigenen Gründe gefunden haben um einzusehen, dass datenschutz und freiheit wichtig ist?
    Besser spät als nie, oder?
    Statt gegen diese leute zu wettern, bloß weil sie später als einem selbst die einsicht hatten, sollte man lieber gemeinsam überlegen wie man das gemeinsame problem lösen kann.

  2. Und auch wenn ich noch nie mehr als 5000 euro besessen habe, geschweige denn in bar, geht es um das prinzip, dass bargeld gesetzliches zahlungsmittel ist und es dafür keine beschränkung geben darf, weil sonst der sinn als gesetzliches zahlungsmittel nicht mehr gegeben ist.

  3. Hi Leon! Sorry für meine späte Antwort. Vergangene Woche ging es bei mir rund und ich hatte erst jetzt wieder Zeit.

    Nun, wenn sich diejenigen, die ich in meinem Post angesprochen habe, sich auch ernsthaft für Datenschutz und Privatsphäre interessieren würden, dann würde ich ja nichts sagen. Mir geht es vor allem darum, dass diese sich jetzt aufregen, so tun, als ob sie es immer schon gewusst hätten und sich nach wie vor im Grund nicht dafür interessieren. Keine Anpassung der eigenen Gewohnheiten, keine Einarbeitung in andere Software, nichts. Außer mal einen Angry-Emoji unter einem Facebook-Post zu posten, kommt da nichts.

    OK, dein zweiter Einwand sehe ich ein. Da hast du natürlich recht. Trotzdem: Der „Protest“, den viele nur scheinbar auf Facebook an den Tag legen, ist scheinheilig. Etwas tun, das schafft kaum einer. Und so lange das so ist, bleibe ich bei meinem Text.

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