"Chemtrails" über Frankfurt. (Quelle: Wikipedia)
"Chemtrails" über Frankfurt. (Quelle: Wikipedia)

Chemtrails und Geoengineering

In sozialen Netzwerken und auch sonst in vielen Foren und auf diversen Websites im Internet findet man sie immer wieder: Die Anhänger der Chemtrail- und Geoengineering-Theorien. Meistens handelt es sich dabei um Verschwörungstheorien, in denen behauptet wird, dass “DIE” sich gegen “UNS” verschworen haben und uns mit Giftstreifen am Himmel vergiften oder gefügig machen wollen. Diese Gründe und Ziele variieren je nach Gruppe oder Website. Doch was hat es damit wirklich auf sich?

Chemtrails

Aber worum handelt es sich überhaupt bei Chemtrails? Wie man auf Wikipedia nachlesen kann, setzt sich das Wort aus “Chemikalien” und dem englischen Wort “Contrails”, was Kondensstreifen bedeutet, zusammen.

Laut den Verfechtern der Chemtrail-Theorie sind die Kondensstreifen am Himmel, welche von Flugzeugen erzeugt werden, gar keine Kondensstreifen. Vielmehr soll es sich dabei um Streifen aus verschiedenen Chemikalien handeln, welche von an den Flugzeugen angebrachten Sprühvorrichtungen ausgebracht werden. Über diese Sprühvorrichtungen werden diverse Chemikalien in der Luft versprüht. Wozu diese nützlich sein sollen, oder welche Chemikalien dabei verwendet werden, darüber sind sich die Chemtrail-Anhänger selbst nicht einig.

Laut der Website www.chemtrail.de werden Aluminium- und Bariumoxyd versprüht. Die Webseite Sauberer Himmel hingegen schreibt von einer klebrigen Polymermischung als Trägersubstanz. Neben Aluminium und Barium wird dort auf einem Flyer auch Strotium erwähnt. Die Initiative Sauberer Himmel über Österreich geht sogar noch weiter und spricht von Kriegsführung durch Chemtrails und Geoengineering.

Hintergründe

Doch woher kommen diese Behauptungen und was davon kann man glauben? Woher diese Theorien kommen, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich resultieren diese meist aus fehlendem Wissen über Physik und Chemie. Und was der Mensch nicht kennt, macht ihm Angst. Wenn die Angst erst mal da ist und die Verschwörungstheorien sich verfestigt haben, werden sich diese Menschen kaum mehr umstimmen lassen. Was an diesen Theorien dran ist, lässt sich schnell zusammenfassen: nichts. Folgend ein paar Behauptungen und die Antworten darauf.

Unser Trinkwasser ist mit Aluminium vergiftet und dies ist auf Chemtrails zurückzuführen.

Es stimmt tatsächlich, dass Aluminium in unserem Wasser vorkommt. Doch dies auf etwaige Chemtrails zurückzuführen ist zu kurzsichtig gedacht. Aluminium, von welchem im Zusammenhang mit Chemtrails meistens gesprochen wird, ist ein Metall, welches das am dritthäufigsten (7,57 %) natürlich vorkommende Metall in unserer Erdkruste ist. Wenn Wolken entstehen, bindet sich Wasser an Staubpartikel, die sich in der Luft befinden. Diese Staubpartikel wiederum lösen sich bei der Verwitterung unter anderem von Steinen und gelangen in die Luft. Und da die Erde jede Menge Aluminium enthält, gelangt das Aluminium über die Staubpartikel auch ins Wasser, das sich an die Staubpartikel bindet und später in Form von Regen zu Boden fällt. Es ist also nicht bemerkenswert, dass sich Aluminium im Trinkwasser befindet. Erst wenn ein gewisser Grenzwert überschritten wird, kann es gefährlich werden. Aber an die natürlichen Vorkommnisse hat sich unser Körper längst gewöhnt.

Ballasttanks, gefüllt mit Wasser. Fotos wie dieses werden von den Anhängern der Chemtrails meist als Beweis angesehen. (Quelle: Wikipedia)
Ballasttanks, gefüllt mit Wasser. Fotos wie dieses werden von den Anhängern der Chemtrails meist als Beweis angesehen. (Quelle: Wikipedia)

Metallverbindungen werden dem Treibstoff von Flugzeugen beigesetzt.

Meist wird ja behauptet, dass an Flugzeugen diverse Sprühvorrichtungen angebracht wären, um die Chemtrails ausbringen zu können. Was dabei nicht bedacht wird, ist der Aufwand, der betrieben werden müsste, um das alles geheim zu halten. 100.000e Menschen wären involviert und alle müssten still sein. Alle gekauft. Wenn dieses Argument “außer Kraft gesetzt” wurde, gehen die Chemtrail-Anhänger meist zu der Behauptung über, dass die Metallverbindungen in den Treibstoff gemischt würden

Metall im Tank? Eh klar. Ihr könnt ja gerne mal versuchen, Metallverbindungen in den Sprit von eurem Auto zu mischen. Mal sehen, wie lange der Motor das mit macht, bevor er einen Schaden erleidet. Im Flugzeug wäre so eine Situation ziemlich ungünstig. Warum, muss ich hoffentlich nicht weiter erwähnen.

Normale Kondensstreifen verschwinden schnell wieder. Chemtrails bleiben lange am Himmel stehen.

Wer die Kondensstreifen am Himmel beobachtet, wird feststellen, dass sich mache der Streifen schnell wieder auflösen, andere hingegen Stundenlang am Himmel stehen können. Das hat aber nichts mit Chemtrails oder Kondensstreifen zu tun. Wer sich ein wenig mit Meteorologie beschäftigt, wird schnell feststellen, dass dies mit diversen Wetterfaktoren, wie zum Beispiel Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Höhe, zu tun hat. Aber auch das Flugzeug hat einen Einfluss. Je nachdem, wie viel Wasser die Triebwerke ausstoßen oder wie effizient sie arbeiten, entstehen mehr oder weniger bzw. länger oder kürzer lebende Kondensstreifen. Dabei bleiben nur leichte Dinge lange in der Luft. Je mehr in die Atmosphäre gelangt, desto schwerer wird das Ganze und desto eher fällt es zu Boden. Ganz zu schweigen, wenn jede Menge Metall in die Luft gesprüht würde.

Durch einen verdunkelten Himmel (aufgrund diffusem Wetter wegen Chemtrails) müssen wir früher das Licht einschalten und haben eine höhere Stromrechnung.

Äh ja. Das ist das wohl stichhaltigste Argument, welches ich auf meiner Recherche zu Chemtrails gefunden habe. Macht durchaus Sinn. Mehr brauchen wir ohnehin nicht, um Chemtrails zu beweisen.

Parlamentarische Anfrage der FPÖ zu Chemtrails

Im Jahr 2007 stellte die FPÖ an den damaligen Umweltminister Erwin Pröll eine parlamentarische Anfrage zum Thema Chemtrails. Die Antwort: Es gibt keine Chemtrails und es sind auch keine bekannt.

Greenpeace kennt auch keine Chemtrails

Gut, beim vorherigen Absatz könnte man noch dagegen argumentieren, dass Politiker auch sonst nicht die Wahrheit erzählen. Das sei jetzt mal dahin gestellt. Doch sogar Greenpeace hat sich 2004 dem Thema angenommen und konnte keinerlei Beweise für Chemtrails finden.

Kondensstreifen früher auch schon vorhanden

US-Bomber 1944 über Österreich. Auch hier sind Kondensstreifen zu sehen. (Quelle: Wikipedia)
US-Bomber 1944 über Österreich. Auch hier sind Kondensstreifen zu sehen. (Quelle: Wikipedia)

Es wird auch immer wieder behauptet, dass Kondensstreifen ein Produkt der letzten zwei oder drei Jahrzehnte wären. Fakt ist jedoch, dass es Kondensstreifen auch früher schon gegeben hat. Das nebenstehende Bild zeigt US-Bomber aus dem Jahre 1944, die damals schon Kondensstreifen an ihren Triebwerken erzeugten. Es stimmt also auch nicht, dass dies lediglich eine Erscheinung der letzten paar Jahre sei.

Geoengineering

Chemtrails werden auch sehr gerne mit dem sogenannten Geoengineering in Verbindung gebracht. Behauptet wird, dass mit dem Chemtrails nicht nur die Menschen krank und gefügig gemacht werden sollen, sondern dass damit auch der Klimawandel unserer Erde beeinflusst wird. Denn ohne das Versprühen von Chemikalien wäre unser Planet schon viel wärmer.

Hier sieht man wieder, wie uneinig die Verschwörungstheoretiker untereinander sind. Die einen behaupten, den Klimawandel gäbe es nicht und alles sei eine Lüge, andere wiederum sagen, ohne Chemtrails wäre unser Heimatplanet schon viel heißer. Ja was denn nun?

Hagel-Flieger-Ausrüstung an einem Flugzeug. (Quelle: Wikipedia)
Hagel-Flieger-Ausrüstung an einem Flugzeug. (Quelle: Wikipedia)

Der feine Unterschied

Was dabei gerne vergessen wird: Chemtrails und Geoengineering sind grundsätzlich zwei Paar Schuhe. Bei Chemtrails handelt es sich um eine Theorie, die sich mit keinerlei handfesten Beweisen untermauern lässt. Geoengineering hingegen ist Tatsache. Dies gibt es wirklich.

Dabei geht es aber keineswegs darum, uns krank zu machen, den Planeten zu zerstören oder etwa Krieg mit Wetter zu führen. Die meisten Menschen dürften schon von sogenannten Hagel-Fliegern gehört haben. Dabei fliegen mit Sprühvorrichtungen bestückte Flugzeuge über Gewitterwolken und lassen Silberjodid über den Wolken aus. Dies soll ein weiteres ausbreiten der Wolken und somit schwere Gewitterschäden verhindern.

HAARP

Mit Chemtrails und Geoengineering wird auch gerne das zivile und militärische Forschungsprogramm HAARP in Verbindung gebracht. HAARP ist ein Areal in Kanada, auf welchem eine ganze Reihe von Antennen steht. Verschwörungstheoretiker behaupten, mit dieser Anlage würden das Wetter und Gedanken manipuliert und sogar Erdbeben ausgelöst werden.

In Wahrheit wird auf der Anlage aber die Ionosphäre der Erde erforscht. Diese ist ein der Teil der Atmosphäre, welche sich in 80 bis 300 km Höhe befindet. Wie der Name schon vermuten lässt, befinden sich dort viele Ionen, also elektrisch geladene Teilchen. Auch Polarlichter entstehen in der Ionosphäre, wenn diese mit elektrisch geladenen Teilchen von der Sonne interagiert.

Im Grunde funktioniert HAARP so: Die Antennen senden elektromagnetische Wellen in die Ionosphäre, welche unterschiedlich absorbiert werden. Anhand der Abweichung kann auf die Zusammensetzung der Ionosphäre geschlossen werden. Die Energie, die von HAARP in die Ionosphäre gesendet wird, ist aber nichts im Vergleich dazu, was die Sonne zu uns sendet. Um wirklich das Wetter verändern zu können, reicht erstens elektromagnetische Strahlung nicht aus und zum zweiten wäre die Energie, die HAARP zur Verfügung steht, ohnehin viel zu klein. Kein Grund zur Panik also.

HAARP: Ziviles und militärisches Forschungsprogramm, um Radiowellen der oberen Atmosphäre zu untersuchen. (Quelle: Wikipedia)
HAARP: Ziviles und militärisches Forschungsprogramm, um Radiowellen der oberen Atmosphäre zu untersuchen. (Quelle: Wikipedia)

Wenn ich die Informationen, die mir vorliegen, richtig verstanden habe, dann wurde HAARP Mitte 2014 eingestellt. Sollte HAARP also doch für irgendwelche Wetterveränderungen und Naturkatastrophen eingesetzt worden sein, so werden wir in Zukunft sicherlich viel weniger davon haben. Aber wahrscheinlich wird da schon irgendwo anders eine neue Anlage stehen oder die Verschwörungstheoretiker werden sich andere fragwürdige Theorien zusammen basteln.

Fazit

All die Diskussionen, die ich immer wieder mit irgendwelchen Leuten über Chemtrails, Geoengineering oder andere Verschwörungstheorien führen musste, liefen immer auf dasselbe Ergebnis hinaus. Entweder wurde ich als leichtgläubiger Dummkopf, der den “Mainstream-Medien” alles glaubt, abgestempelt, oder aber mein Gegenüber hat resignierend mit “Wir wissen es nicht genau” aufgegeben, da keine Argumente mehr übrig waren.

Natürlich kann man nicht alles wissen und somit verschiedene Dinge nicht zu 100 % ausschließen. Es war bisher jedoch noch niemand im Stande, Chemtrails mit handfesten Beweisen zu untermauern. Alle vorgebrachten Argumente können mit ein wenig Physik, Chemie und Meteorologie widerlegt bzw. erklärt werden.

Als nächstes wird gerne behauptet, dass Menschen, die die “Wahrheit” aussprechen (sogenannte Truther), oftmals schnell von der Bildfläche verschwinden, für verrückt erklärt oder sonst irgendwie mundtot gemacht werden. Und trotzdem ist das Internet voll mit Internetseiten, die von sich behaupten, zu den wenigen zu gehören, die es wagen, die Wahrheit auszusprechen.

Interessanterweise schaffen es Regierungen, Konzerne und überhaupt “sie alle”, Chemtrails, Geoengineering, Wetter- und Gedankenmanipulation, weltweit operierende Organisationen mit vielen 100.000 Mitarbeitern und Involvierten und nochmals so vielen gekauften Wissenschaftlern geheim zu halten, aber ein paar Webseiten und YouTube-Videos können nicht gelöscht werden. Und wenn dieses Internet plötzlich dazu in der Lage ist, diese ganzen bösen Machenschaften, von welchem “die” nicht wollen, dass “wir” davon erfahren, aufzudecken, warum gibt es das Internet noch?

Aber ich weiß ja eh schon: Das ist alles nur gemacht.

Quellen

Zum Weiterlesen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *